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Wissenswertes aus 800 Jahren Geschichte von Lichtenwalde

  1. Zeittafel Schloss und Park Lichtenwalde

  2. Der Tausch der Güter Lichtenwalde und Pillnitz im Jahre 1694

  3. Die Familie Vitzthum von Eckstädt

  4. Der Große Schlossbrand Walpurgisnacht 1905

  5. Wiedereinzug in das Schloss Lichtenwalde vor einhundert Jahren

  6. Das Chinesische Zimmer

  7. Die Schlosskapelle

  8. Die Sage von Harras dem kühnen Springer

  9. Das Zugunglück am Harrasfelsen

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Der Tausch der Güter Lichtenwalde und Pillnitz im Jahr 1694

Lichtenwalde wurde 1280 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Nach neusten archäologischen Funden wurde die Burg aber bereits 1220 - 1230 erbaut. Als Initiator kommen Markgraf Heinrich der Erlauchte bzw. sein Vormund Ludwig der Thüringer in Frage. In der Folgezeit war Burg und Ländereien verlehnt bzw. auch zeitweise verpfändet. Am 31. Januar 1694 wurde der Tausch der Güter Lichtenwalde und Pillnitz urkundlich registriert. Damit erreichte Kurfürst Johann Georg IV. etwas, das seinen Vorgängern 1578 und 1608 verwehrt blieb, die Erlangung von Rittergut Pillnitz.

Heinrich von Bünau hätte Pillnitz lieber verkauft, aber der Kurfürst bestand auf einem Tausch. Zu diesem Zweck wurden beide Güter im Vorfeld 1693 bewertet. Bei der Bewertung von Pillnitz gab es große Abweichungen zwischen dem, was Bünau errechnet hatte und dem, was bei dem Gegenanschlag der kurfürstlichen Rentkammer ermittelt wurde. Während Heinrich von Bünau den Wert von Pillnitz mit 133 775 Gulden 10 Groschen 2 ½ Pfennig beziffert hatte, kam die kurfürstliche Rentkammer auf den erheblich geringeren Betrag von 72 895 Gulden 18 Groschen 1 Pfennig. Ausgenommen von der Tauschmasse waren der Weinberg seiner Frau in Pillnitz und zwei von seinen Untertanen erworbene Bauergüter.

Das seit dem Ableben des letzten Vertreters der Familie von Harras, Eustachius kurfürstliche Amt Lichtenwalde war mit einem niedrigeren Wert veranschlagt, deshalb sollten Heinrich von Bünau als Wertausgleich 20 000 Gulden ausgezahlt werden.

Außerdem war Pillnitz ein schriftsässiges Erbgut. Um die verbundenen Privilegien nicht einzubüßen, bestand Heinrich von Bünau darauf, dass alle die Rechte, die er mit Pillnitz genossen hatte, auf Lichtenwalde übertragen werden. In einem Schreiben des Kurfürsten Johann Georg IV vom 5. März 1694 wird die kurfürstliche Kanzlei gebeten, einen Verschreibungsbrief auszufertigen, indem die entsprechenden Rechte zugesagt werden und das Gut Lichtenwalde in die Matrikel der Kanzleischriftsässigen Güter einzutragen. In diesem Schreiben wird auch auf die Summe von 20 000 Gulden eingegangen, die Bünau nach dem Contract vom 31. Januar 1694 zustehen.

Johann Georg hatte das Gut Pillnitz bereit am 24. Februar 1694 seiner Mätresse Gräfin Sibylle von Rochlitz geborene von Neitschütz übereignet. Doch deren Glück war nicht von langer Dauer. Bereits im April erlag sie einer Ansteckung mit den Blattern. Ihr Geliebter hatte sich infiziert und folgte seiner Mätresse im gleichen Monat.

Vom 17. August 1694 datiert ein Schreiben der Kanzlei an Heinrich von Bünau, im dem ihm bekundet wird, dass mit Erhalt des Erbbrief, die entsprechenden Rechte wirksam werden. Den Erbbrief erhielt Heinrich von Bünau vom neuen Kürfürsten Friedrich August am 8. März 1700 gemäß der Vereinbarungen mit dem Vorgänger Johann Georg dem IV. Als Tag der Belehnung wird in dem Schreiben der 17. August 1694 genannt.

In einem an einen Günther von Bünau (Anm. Lebensdaten mir unbekannt) ausgefertigtes Schreiben der Kurfürstlichen Kanzlei vom 25. April 1713 nach dem nach Ableben des Vaters Heinrich (30. Juni 1712) wird ihm und seine Schwester Johanna Henriette von Pflugk (geb. 19. August 1682 - gest. 6. August 1730) die Erb- und Lehnspflicht nach Inhalt des Erbbriefes übertragen.

Doch der 1712 verstorbene Heinrich von Bünau hatte seinen Kindern nicht nur Gut und Schloss Lichtenwalde hinterlassen, sondern leider auch viele Schulden. Um diese begleichen zu können, sollte der bünausche Besitz zwangsversteigert werden. Davor wurde das Anwesen mit dem Erwerb durch Generalfeldmarschall Reichsgraf von Flemming gerettet. Aus dem Verkaufserlös wurden die Gläubiger bedient und die Restsumme erhielt die Witwe des Verstorbenen Christina Sophia geb. von Bose (gest. 28. Januar 1723).

Die Idee von Flemming das Schloss in ein Fräuleinstift zu wandeln, fand keine Unterstützung bei Kurfürsten Friedrich August, so dass sich die Pläne zerschlugen und der Weiterverkauf an den Schwager, Kabinettsminister Christoph Heinrich Graf von Watzdorf erfolgte, der dann 1722 -26 an Stelle des Vorgängerbaus ein Schloss im barocken Stil bauen ließ. An diese alten äußeren Formen angelehnt, wurde dann nach einem verheerenden Brand das heutige Gebäude 1905 – 1908 vom Oberstmarschall Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt errichtet.

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Die Familie Vitzthum von Eckstädt

Die Grafen Vitzthum von Eckstädt

1722 hatte Christoph Heinrich Graf von Watzdorf von seinem Schwager Jakob Heinrich Graf von Flemming die Herrschaft Lichtenwalde erworben und das Barockschloss erbauen lassen.

Henriette von Watzdorf   Wappen der Grafen Vitzthum von Eckstädt

Die Ehe seines Sohnes und Erben von Lichtenwalde mit seiner Frau Henriette Sophie blieb kinderlos. Da Friedrich Carl sein ganzes Vermögen seiner Gattin hinterließ und sie wiederum ihren jüngsten Bruder Ludwig Siegfried Graf Vitzthum von Eckstädt zum Erben bestimmte, konnte sich das Vitzthumsche Familiengeschlecht über einen umfangreichen Besitzzuwachs freuen. Henriette hatte aber verfügt, dass das Erbe immer an den ältesten Sohn oder falls nicht vorhanden an den Nachgeborenen übergehen soll. Es wurde ein Majorat (juristisch: Fideikomiss, die Auflösung erfolgte laut Gesetz vom 6. 11. 1928) errichtet. Bis zur Vertreibung durch die Rote Armee am 13.07.1945 war die Familie auf dem Schloss ansässig.

Die Eigentümer aus der Familie Vitzthum von Eckstädt auf Lichtenwalde in Folge (bis zur Enteignung 1945):

1764 -1772       Stifterin                        Henriette Sophie Gräfin von Watzdorf,

                                                         Geb. Vitzthum von Eckstädt, geb.1701

1772 -1777       1. Majoratsherr             Ludwig Siegfried I., geb. 1716

1777 -1803       2. Majoratsherr             Friedrich II. August, geb. 1765 *

1803 -1854       3. Majoratsherr             Otto I. Rudolph, geb. 1795 *

1854 -1860       4. Majoratsherr             Albert I. Friedrich, geb. 1797

1860 -1870       5. Majoratsherr             Albert II, Siegfried, geb. 1848 *

1870 -1936       6. Majoratsherr             Otto Friedrich III., geb. 1855 *

                                                         (* Bis zur Volljährigkeit unter Vormundschaft)

1936 - 1943      Erbe lt. Testament         Otto Siegfried Il., geb. 1904

1943 - 1945      Nacherbe                      Carl IV. Hermann, geb. 1882

 Aus der Reihe der Schlossherren hervorzuheben wäre Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt, von 1870 - 1928 letzter Majoratsherr (gest. 13.12.1936). Nach dem Studium stand er unter Reichskanzler Bismarck bis 1890 in kaiserlichen diplomatischen Diensten. Auslandsaufenthalte führten ihn nach New York, Paris, London, Petersburg, Wien und Bukarest. Nach dem Abdanken von Bismarck holte ihn der sächsische König Albert als Oberhofmarschall (später unter Friedrich August III. Oberstmarschall) an den Dresdner Hof, mit der Absicht „an die Spitze des königlichen Hofstaates eine vornehme, unabhängige Persönlichkeit zu stellen, die den König in allen Fragen offen und unerschrocken zu beraten vermöge“. Er amtierte außerdem von 1905 - 1918 als letzter Präsident der ersten Ständekammer des königlichen Sachsens.

Am 03.05.1897 heiratete er die Tochter Hedwig Sibylla seines einstigen Vormundes Otto Julius von Tschirschky und Bögendorff (Generaldirektor der Sächs. Staatsbahnen). Ihr Sohn und Erbe Siegfried erblickte 1904 das Licht der Welt. Das Paar musste zuvor 1901 die Totgeburt ihrer Zwillingstöchter beklagen. Während des großen Schlossbrand 1905 konnte der sechs Monate alte Siegfried glücklich aus den Flammen gerettet werden.

Familie Vitzthum von Eckstädt   Familie Vitzthum von Eckstädt

Mit Ende der Monarchie 1918 erledigten sich die Ämter von Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt als Oberstmarschall und als Präsident der Ersten Kammer. Er zog sich als Privatier nach Lichtenwalde zurück. Im Herbst 1936 wie immer zur Jagdsaison einige Wochen nach Schönwölkau gekommen, verstarb er am 13.12.1936 dort und wurde am 17.12. in Lichtenwalde auf dem von ihm selbst angelegten Familienfriedhof beigesetzt.

In seinem Testament hatte er Erbe (Sohn Siegfried II.) und mögliche Nacherben des Familienbesitzes bestimmt. Gräfin Sibylla hatte nur „Wohnrecht in den angestammten Räumen“ des Schlosses erhalten.

Die Erbfolge ist schwer verständlich, erklärt sich aber ganz einfach daraus, dass sich Friedrich III. Vitzthum von Eckstädt weniger als „Privateigentümer“ sondern als „Verwalter“ des vitzthumschen Familienbesitzes, der 1772 mit dem Tod der Henriette Gräfin von Watzdorf geb. Vitzthum von Eckstädt erlangt wurde, betrachtete. Deshalb war es für ihn eine Selbstverständlichkeit auch nach Auflösung des Majorats (laut Gesetz vom 6.11.1928), die Erbfolge entsprechend der Regelungen der ehemaligen Familienanwartschaft festzusetzen. Siegfried II. Vitzthum von Eckstädt hatte  nach Ableben seines Vaters (gest. 13.12.1936) diese Erbfolge mit seinem persönlichen Testament bestätigt. Am 03.10.1943 fiel Siegfried II. an der Ostfront vor Melitopol. Da er ohne männlichen ehelichen Nachkommen verstarb, wurde aus der 2. Linie durch fünf Generationen hindurch Carl IV. als Nacherbe ermittelt. Mit dem Tod seines Onkels Carl Gotthold am 05.12.1945 war dann die 1. Grafenlinie erloschen.

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Wer war Carl IV. Graf Vitzthum von Eckstädt?

Er wurde am 17.07.1882 in Dresden geboren. Nach Besuch des Vitzthumgymnasiums studierte er Rechtswissenschaft, war später als Verwaltungsbeamter tätig und brachte es bis zum sächsischen Oberregierungsrat. 1921 heiratete er Anne-Lore von Oppel (1895-1982). Mit ihr hatte er zwei Kinder, die Tochter Ursula (1923- 1979) und den Sohn Carlotto (1925-1945 vermisst). Carl der IV. lebte bis zum 13.02.1945 in Dresden. Dort ausgebombt hatte er seinen Wohnsitz in das 1943 geerbte Schloss Lichtenwalde verlegt. Vorher hatte er schon um Versetzung in den Ruhestand gebeten, um sich ganz der „Verwaltung des Grundbesitzes und der Pflege der in den Schlössern geborgenen Schätze der Kunst und des Kunstgewerbes … nicht zu seinem Wohle, sondern zu dem der Gesamtfamilie …widmen zu können“.

Familie Vitzthum von Eckstädt

Am 13.07.1945 wurde dann das Schloss durch die Rote Armee als Truppenunterkunft beschlagnahmt, die Besitzer aus dem Gebäude vertrieben und später im Zuge der Bodenreform enteignet. Carl IV. wohnte die erste Zeit nach dem Rauswurf aus dem Schloss in Lichtenwalde in einem Haus auf der Straße „Am Zapfenbach“ zur Miete. Obwohl nahe an Niederwiesa gelegen, gehört die Straße zu Lichtenwalde. Später auf der Flucht aus Angst vor Gefangennahme und Deportation verstarb Carl am 14.11.1945 an den Strapazen.

Das Schicksal der Sibylla Gräfin Vitzthum von Eckstädt nach dem zweiten Weltkrieg ist vielen älteren Einwohnern, aber auch Besuchern von Lichtenwalde noch allgegenwärtig.

Vitzthum von Eckstädt

Gräfin Sibylla hatte mit Anverwandten erst in der Wohnung des Gutsverwalters Sachsenberg im Rittergut Unterschlupf gefunden Auch aus dieser vertrieben, wohnte sie dann bei Familie Funke auf der Talstraße 6. Später wurde sie von der Kunst-malerin Frau Thost in der Frankenberger Str. 1 liebevoll aufgenommen. Nach deren Auswanderung nach Amerika erhielt Gräfin Sibylla auf der Ebersdorfer Straße 11 bei der Familie Zapf eine kleine Wohnung zur Miete. Von da ab hatte sie die schwierige Aufgabe mit dem wenigen Geld, was sie von der Sozialfürsorge erhielt, das tägliche Leben zu meistern. Einzige Abwechslung bildeten für sie ausgedehnte Spaziergänge, die Zuneigung und Hilfe, die ihr durch die meisten Lichtenwalder Einwohner zuteilwurde, und ein umfangreicher Briefwechsel mit Familie und Freunden. Die Gottesdienste in der kleinen Schlosskapelle waren ebenfalls für sie wichtiger Trost.

Auch dem Gutsbesitzer Ottwin Saupe in Auerswalde, den sie auf Grund seiner umfangreichen Recherchen im Vitzthumschen Schlossarchiv zur Regionalgeschichte kannte, hatte sie mehrfach geschrieben. Doch der Anlass ihres Schreibens war oft für sie kein einfacher, wie man an dem nachfolgenden Beispiel erkennen kann:

Lichtenwalde d. 12/4 47

Sehr geehrter Herr Saupe

Heute komme ich mit einer Anfrage, oder vielmehr mit einer großen Bitte, zu Ihnen. Hätten Sie vielleicht etwas Kartoffeln für mich? oder geht es Ihnen wie allen anderen die ich fragte, daß es an Saatkartoffeln fehlt? Ich möchte nicht unbescheiden sein und Sie nicht belästigen, sollte es aber doch versuchen, denn ohne Kartoffeln ist es schwerer sich zu sättigen. Wenn die Aussaat vorbei ist, bekomme ich hier vielleicht wieder welche, aber bis dahin vergehen ja noch einige Wochen; u. ich weiß mir keinen Rat. Sollte es Ihnen möglich sein meine Bitte zu erfüllen, so würde ich Jemanden mit Handwagen zu Ihnen schicken, damit Sie nicht noch mehr Mühe haben, ist es Ihnen nicht möglich, was ich ja auch ganz gut verstehen würde, so könnte ich vielleicht paar Körner bekommen? Lieber Herr Saupe, hoffentlich sind sie nicht entsetzt über meine Anfrage, Sie waren aber immer so freundlich, u. schenkten mir so viele gute Sachen, daß ich mir den Mut nehme diese Zeilen an Sie zu richten. Hoffentlich haben Sie den langen, kalten Winter gut überstanden. Mit der Bitte mein Schreiben nicht übel zu nehmen u. mit herzlichem Gruß bin ich

Ihre sehr verbundene

Sibylla Gräfin Vitzthum geb. von Tschirschky

Brief Gräfin Vitzthum von Eckstädt    Gräfin Vitzthum von Eckstädt

Gräfin Sibylla schlief am 16.11.1951 mit fast 89 Jahren sanft ein und wurde nach der Aufbahrung in der Schlosskapelle an der Seite ihres Mannes auf dem gräflichen Friedhof beigesetzt und das wohlgemerkt zu DDR-Zeiten.

Gafen Vitzthum von Eckstädt

Auf ihrem Grabstein steht geschrieben:

Hier ruht in Gott

Sibylle Gräfin Vitzthum von Eckstädt

geb. Tschirschky und Bögendorff

+ 18. Dez. 1862    † 16. Nov. 1951

Laut ihrer Heiratsurkunde hieß die Gräfin aber Sibylla, auch wenn sie selbst häufig mit Sibylle unterschrieb und von Familienmitgliedern bzw. Freunden auch so genannt wurde. Man findet aber auch manchmal die Version Sybilla.

Gräfin Vitzthum von Eckstädt

Auch heute (2017) begegnet man noch Menschen, die sich an die kleine, zarte Frau erinnern können, wenn sie auf einen Stock gestützt einen Spaziergang durch den Park und den Ort unternahm.

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Der gräfliche Friedhof

Der gräfliche Friedhof wurde durch Friedrich III. Vitzthum von Eckstädt angelegt. Der Zugang erfolgte ursprünglich vom Orangerie-Gelände über die Treppe und das Tor in der Mauerecke. Später entstand der Weg entlang der Umfassungsmauer. Dazu mussten eine Schlucht aufgefüllt und Hangstützmauern errichtet werden. Das geschnitzte Kruzifix (Bild Seite 23 oben - Nr. 1) an der Mauer stammt von Hans Mayr (1870 - 1935) aus dem Oberammergau (Name am Sockel zu lesen). Wann es genau aufgestellt wurde ist nicht überliefert.

Die erste Beisetzung auf dem Friedhof 1879 betraf Rittmeister Hans von Haugk (2), Freund des Schlossherren aus Studienzeiten und erster Ehemann der Schwester Therese. 1901 wurden die totgeborenen Zwillingsmädchen (3) der Schlossherrschaft auf dem Friedhof beigesetzt und je eine Birke rechts und links des Kruzifixes gepflanzt. Die beiden Birken standen noch als Friedrich III. Graf Vitzthum von Eckstädt (4) 1936 auf dem Friedhof seine letzte Ruhestätte fand. Für den 1943 in Russland gefallenen Sohn Siegfried II. (5) hat seine Mutter einen Gedenkstein und Kreuz setzen lassen. Diese Grabplatte konnte 2001 erneuert werden.

Gräflicher Friedhof

Marie Gräfin Vitzthum von Eckstädt war die Mutter vom letzten Schlossbesitzer Carl IV. Nachdem ihre Wohnung in Dresden beim Bombenangriff am 13. Februar 1945 vollständig zerstört wurde, kam sie nach Lichtenwalde und starb dort bereits am 3. März 1945 (Grab liegt etwas abseits und ist auf dem Foto nicht zu sehen).  Eine letzte Beisetzung, die von Sibylla Gräfin Vitzthum von Eckstädt (6), hat es dann 1951 auf dem kleinen Friedhof gegeben.

Drei 1945/46 ebenfalls hier verstorbene Familienmitglieder, Friedrichs Bruder Gotthold (7), dessen Frau Ida (8) und deren Schwester Alexandra (9) konnten während der Besatzung durch die Rote Armee nicht auf dem gräflichen Friedhof ihre letzte Ruhe finden. Sie sind auf dem Gemeindefriedhof beerdigt worden.

Gemeindefriedhof

Die vitzthumschen Gräber auf beiden Friedhöfen werden bis heute von Herrn Reuther aus Ebersdorf liebevoll gepflegt. Der gräfliche Friedhof wird seit einigen Jahren vom Förderverein Schloss und Barockgarten Lichtenwalde e.V. betreut.

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Der große Schlossbrand Walpurgisnacht 1905

In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai löste ein defekter Schornstein ein verheerendes Feuer aus. Durch den hellen Feuerschein am Nachthimmel aufmerksam geworden, eilten 11 verschiedene Orts- bzw. Werksfeuerwehren zur Hilfe. Leider fehlte ausreichende Technik, z.B. Leitern, um den brennenden Dachstuhl abzulöschen. Sie deckten deshalb zunächst das Schlossportal, um möglichst viel vom kostbaren Inventar retten zu können. Später wurde das Feuer vom Schlosshof aus angegriffen und der Wirtschaftsflügel sowie die Schlosskapelle vor dem Übergreifen der Flammen geschützt. Erst mit Eintreffen der Automobil-Dampfspritze aus Chemnitz am nächsten Morgen 8.15 Uhr konnte das Feuer wirkungsvoll eingedämmt werden.

Schloss Lichtenwalde - Schlossbrand     Schloss Lichtenwalde - Schlossbrand

Der Südflügel und Mittelbau des Schlosses waren bis auf das Erdgeschoss zerstört. Im Nordflügel brannten nur die oberen Etagen aus, aber das einströmende Wasser hat zusätzlichen Schaden verursacht. Der so genannte Wirtschaftsflügel und die Kapelle konnten gerettet werden.

Die Rettung der Kunstschätze

Einige der Kunstschätze konnten unter Deckung der Feuerwehren durch das aufopferungsvoll agierenden Schlosspersonal und die Dorfbevölkerung gerettet werden. Schweres barockes Mobiliar wertvolle Gobelins, Gemälde, Porzellane und viele Dinge aus den gräflichen Wohnräumen im 2. Obergeschoss waren jedoch unwiederbringlich verloren. Das aus den Flammen gerettete Inventar wurde zum Teil eilig im Mittelgarten gelagert.

Lichtenwalde - Schlossbrand     Lichtenwalde - Automobildampfspritze

Der Streit um die Automobildampfspritze aus Chemnitz

In der Frankenberger Presse und in den verschiedenen Chemnitzer Zeitungen wurde das späte Eintreffen der Chemnitzer Berufsfeuerwehr sehr kontrovers diskutiert. Das Frankenberger Tageblatt hat die Verantwortlichen hart angriffen, weil man bis zu einer amtlichen Anforderung von Hilfe mit dem Ausrücken gewartet hat und nicht schon eher auf private telegraphische Hilferufe reagiert hätte. Es war weiter zu lesen, dass es doch inzwischen modernere Informationsquelle gibt als in mittelalterlicher Manier den Türmer Ausschau halten zu lassen. Die Chemnitzer Seite beruft sich darauf, dass der Oberbürgermeister Beck erst am 1. Mai 6.25 Uhr durch ein Telegramm vom Amtshauptmann Dost vom Brand erfahren hat und dann sofort Hilfe geschickt hätte.

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Die Rettung des Grafensohnes

Der am 21. Oktober 1904 geborene Grafensohn und seine Gouvernante konnten glücklicherweise aus dem brennenden Schloss gerettet werden, ehe die Decke über dem Raum einstürzte. Miss Warren lebte bis zur Vertreibung der gräflichen Familie Juli 1945 mit im Schloss. Nicht nur für den Grafensohn war sie eine der wichtigsten Bezugspersonen und wurde später zur Gesellschafterin der Gräfin ernannt.

Damals wie heute

Die Nachricht vom Schlossbrand hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Man sah sich bald zur Abwehr der Schaulustigen gezwungen, das Gelände um Schloss und Park weiträumig abzuriegeln. Einerseits sollte dadurch die Behinderung der Bergungsaktion der Kunstschätze eingedämmt werden, anderseits wurden größere Schäden an Rasen und Rabatten verhindert.

Lichtenwalde - Schlossbrand

Brandursache

1955, also 50 Jahre nach dem Schlossbrand, schreibt der 78 jährige Oskar Münch seine Erinnerungen an das Ereignis auf. Er hatte die Katastrophe hautnah als Bewohner des Schlosses erlebt. Bei ihm ist unter anderem zu lesen, dass jedes Jahr der große Frühjahrsputz startete, wenn die Schlossherrschaft auf Reisen ging. Dazu gehörte auch die Reinigung und Reparatur der Schornsteine, die am 29. April 1905 mit einer erneuten Kontrolle durch den Schornsteinfeger abgeschlossen wurde. In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai brannte dann das Schloss nieder. Als Ursache wird in den Presseberichten später ein defekter Schornstein angegeben. Wie war das nach der erfolgten Kontrolle überhaupt möglich? Nachteilig auf den Verlauf des Brandes wirkte sich die Tatsache aus, dass der alte barocke Schlossbau über keinerlei Brandmauern verfügte und deshalb eine ungehinderte Ausbreitung der Flammen möglich war. (Katharina Müller 2005)

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Wiedereinzug in das Schloss Lichtenwalde am 03.Mai.1908

Am 3. Mai 1908 war es endlich so weit, die Familie Vitzthum von Eckstädt konnte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung nach nur 3 Jahren Bauzeit in das neue Schloss Lichtenwalde Einzug halten. Vorausgegangen war ein verheerender Brand in der Nacht von 30. April zum 1. Mai 1905, der das Gebäude fast vollständig zerstörte. Graf Friedrich nahm danach sofort den Wiederaufbau in Angriff. Seine Wahl des Architekten fiel auf Hofbaurat Frölich aus Dresden. Die Familie und ihr Personal bezog vorübergehend die Braunsdorfer Villa des Mühlenpächters Hugo Fischer. Von da aus konnte man den Fortschritt am Bau gut verfolgen. Wenn der Graf nicht dienstlich unterwegs war, begab er sich jeden Tag zur Baustelle, um Absprachen zu den anstehenden Arbeiten zu treffen.

Villa Braunsdorf     Schlossbau

Die Bauarbeiten liefen auch damals nicht ohne Probleme ab. In dem Artikel „Das Schloss Lichtenwalde in verjüngter Gestalt“, Mai 1908 veröffentlicht im Frankenberger Tageblatt, liest man: “Schwierig gestaltete sich die Durchführung der neuen Grundrissdisposition, weil im neuen Bau gegenüber früher weit größere und höhere Räume in Zusammenhang zu schaffen waren, für deren Konstruktionsmauern jedoch die alten Gründungen benutzt werden mussten. Die Umfassungen des Erdgeschosses, die zum größten Teil erhalten blieben, mussten infolge der neuen größeren Belastung oft unterfahren und bis auf den Felsen gegründet oder auch vermittelst Eisenträgerrosten auf dem ausgefüllten Baugrund befestigt werden. Dies war besonders schwierig bei Herstellung der Fundierungsarbeiten des großen Treppenhauses, weil man hier z. T. auf den Wallgraben der alten Burganlage stieß.“ Die Lösungen, die gefunden wurden, waren innovativ und zukunftsweisend. Das äußert sich auch in der Tatsache, dass mit Eisenbeton ein zum damaligen Zeitpunkt erst in der Erprobungsphase befindlicher Baustoff zum Einsatz kam.

Äußerlich gab es nur wenige Veränderungen am Schloss. Auffällig sind vor allem der neue kräftige Turm mit umlaufender Galerie, die Architektur des Eingangsportals, die Überdachung des Altanaufbaus, der neue Balkon an der Südfront und die großen Fenster des neu geschaffenen Wintergartens. Die Dreieckplastik mit dem Watzdorfschen Allianzwappen am Schaugiebel ist ein Stück erhaltener Vorgängerbau, ebenfalls die unteren Etagen des Nordflügels und der Zwischenbau. Die vom Brand nicht betroffene Kapelle mit ihren barocken Einbauten geht sogar bis ins 13. Jh. zurück.

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.Schloss Lichtenwalde alt - neu

Das Innere des Schlosses wurde neu organisiert und modern ausgestattet: mit elektrischer Beleuchtung, Speise-Aufzug, Zentralheizung, Wasserleitung, Warmwasserbereitungsanlage, Telefonanlage, Feuerlöschanlage usw. Greift man mit der ehemaligen Bibliothek einen Raum heraus, wird an Hand von Beschreibungen bewusst, welche großen Unterschiede zwischen den Räumen alt und neu bestehen. Die Bibliothek im Schloss vor dem Brand war durch zwei Geschosse gebaut. Der neue Raum geht über vier Fenster. An ihn schließt sich das kleine Arbeitskabinett des Grafen an, zu erreichen durch einen wie ein Schrank anmutenden Durchgang. Einer der schweren Bücherschränke verbirgt eine zweite geheime Tür, die über eine schmale Stiege in die Schlaf- und Toilettenzimmer der Familie hinaufführt.

Ähnlich beim Chinesischen Zimmer: auch wenn die Holzpaneele aus dem Brand gerettet wurden, sie sind nicht eins zu eins im neuen Schloss wieder verwendet, sondern an einen neu gestalteten höheren Raum angepasst worden. Das ging soweit, dass auf einem oben an die Paneele angesetzten neuen Brett eine zweite Rankenreihe aufgemalt und Teile neu zusammengefügt wurden, um sie an längere Wände anzupassen. Ein neuer Raum unter Verwendung alter barocker Ausstattungselemente war geboren, ein gestalterisches Meisterwerk von Gustav Frölich. Auch heute noch wird der kulturhistorische Wert dieses Zimmers von Kunstsachverständigen als sehr hoch eingeschätzt, nicht allein deshalb, weil europaweit nur noch sehr wenige erhaltene Beispiele existieren, sondern auch wegen der gesamten außerordentlich qualitätvollen Gestaltung des Raumes. Mit Sicherheit hat man das Aussehen des neu geschaffenen Raumes an das alte Chinesische Zimmer angelehnt, es lassen sich aber laut Experten auch moderne Einflüsse des Jugendstil nicht übersehen.

Alte Bibliothek    Neue Bibliothek

Ende April 1908 war das Schloss soweit fertig gestellt und eingerichtet, dass Vertreter der Presse zu einem ersten Rundgang geladen werden konnten. Einer der danach veröffentlichten Zeitungsartikel („Ex flammis restructum“ von Bruno Döring aus der 2. Beilage zum Chemnitzer Tageblatt Nr. 189, Sonnabend, den 25.04.1908) wurde dem am 3. Mai 1908 eröffneten neuen Gästebuch vorangestellt, gefolgt von zwei Artikeln zum Wiedereinzug. Dort liest man unter anderem, dass vor dem Hauptportal der Königliche Hofbaurat Frölich den gräflichen Herrschaften ein herzliches Willkommen entbot und dem Hausherren Friedrich Vitzthum von Eckstädt den goldenen Schlüssel übergab. Die ersten Darlegungen des Grafen im Buch beschreiben den festlichen Tag des Einzuges: “Nach der Hauptfeier im Schlosshof begaben sich die Spitzen der Behörden und Vereine, etwa 60 Personen, in den Speisesaal um Erfrischungen einzunehmen. Gleichzeitig wurden Deputationen empfangen, die Vereine wurden im Gasthof bewirtet. Um 7 1/2 Uhr fand das erste Diner statt, an welchem nachstehende Personen teilnahmen. Dem Diner folgte eine Serenade von etwa 150 Frankenberger Sängern, wobei Schloss und Umgebung in prächtigem Buntfeuer erstrahlten.”

Als Erste haben sich der Graf selbst, seine Frau und die anwesenden Familienangehörigen eingetragen, gefolgt von Hofbaurat Frölich, Stiftspfarrer Jässing, Arzt Költzsch, Rentmeister Scheinpflug und Sekretär Oehme. Vor einem „Unseren Gästen ein herzliches Willkommen“ ist noch eine Seite der Aufstellung des Schlosspersonals gewidmet, beginnend beim Haushofmeister und endend mit den „Hülfefrauen“. Vor allem in den nächsten Jahren sind Verwandte, Freunde und Bekannte im Haus zu Gast gewesen, um das neue Schloss zu besichtigen. Aber auch wichtige Vertreter von Politik, Wirtschaft und Kunst haben dem königlich sächsischen Oberstmarschall Friedrich Graf Vitzthum von Eckstädt ihre Aufwartung gemacht. (Katharina Müller, 2008)

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Das Chinesische Zimmer

Aus der Reihe der Räumlichkeiten im Schloss Lichtenwalde hebt sich das Chinesische Zimmer mit der größten Ursprünglichkeit heraus. Die Watzdorfsche Originaldekoration konnte 1905 aus dem großen Schlossbrand gerettet werden. Die Holzpaneele sind an die höheren Räume des neuen Schlosses angepasst worden. An die Originalpaneele wurde oben ein Brett angefügt, welches mit einer zweiten Rankenreihe bemalt wurde. Den glänzenden Eindruck der neuen Raumausstattung durch Gustav Frölich komplettieren drei Spiegeltüren mit den darüber befindlichen Supraporten mit chinesischen Genremotiven (geschaffen von Mariette Cerrini), Mamorkamin mit Spiegel, Muschelnische sowie zwei Kronleuchter.

 Chinesisches Zimmer    Schloss Lichtenwalde - Chinesisches Zimmer
Schloss Lichtenwalde - Chinesisches Zimmer

1909 wurde in einem Salonblatt abgedruckt: “in diesem ausnahmsweise schönen Zimmer ist ein Teil der Porzellanträume von August dem Starken verwirklicht”.

Auch heute noch wird der kulturhistorische Wert dieses Zimmers von Kunstsachverständigen als sehr hoch eingeschätzt, nicht allein deshalb, weil europaweit nur noch sehr wenige erhaltene Beispiele existieren, sondern auch wegen der gesamten außerordentlich qualitätsvollen Gestaltung. Mit Sicherheit hat man das Aussehen des neu geschaffenen Raumes an das alte Chinesische Zimmer angelehnt, es lassen sich aber laut Experten auch moderne Einflüsse des Jugendstils nicht übersehen.

 Schloss Lichtenwalde - Chinesisches Zimmer

In eine Holzvertäfelung sind in zwei Etagen auf Stoff kaschierte Papierbilder eingelassen, die Szenen aus dem chinesischen Familienleben wiedergeben. Ein Teil der Motive ist direkt aufgemalt, der andere Teil stellt handkolorierte Holzschnitte dar. Drei Reihen von Konsolen zum Aufstellen von Porzellanen, verziert mit plastischen Blütengehängen, befinden sich dazwischen.

 Schloss Lichtenwalde - Chinesisches Zimmer    Schloss Lichtenwalde - Chinesisches Zimmer   Schloss Lichtenwalde - Chinesisches Zimmer

Interessant ist, was die restauratorischen Arbeiten 2007/2008 ans Tageslicht gebracht haben: In einer ersten Fassung des Raumes gab es noch keine Konsolen. Die Holzpaneele waren mit in zartrosa-rot gehalten Ranken, Blüten, Früchten und Blätter, in ihrer Darstellungsform sehr chinesisch anmutend, dekoriert. In dieser Fassung bildeten noch die Bilder Hauptaugenmerk eines Zimmers mit für die damalige Zeit höchstem Repräsentationswert. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jh. wurden in einer neuen Version die Holzpaneele mit den Konsolen für die Porzellane versehen. Die Paneele erhielten um die Konsolrückseite eine grüne Blattranke als Fassung. Die farbige Gestaltung wurde dann noch mehrfach überarbeitet. Da die Tapetenbilder größer als der sichtbare Ausschnitt in den Rahmenpaneelen sind, konnte nach Herauslösen auf lichtgeschützten Bereichen die ursprünglich viel lebhaftere Farbigkeit aufgefunden werden. (Dr. Katharina Müller 2011)

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Geschichte der Schlosskapelle

Ein wesentlicher Teil des Baukörpers der Schloss-Kapelle gehen auf eine Anlage aus der ersten Hälfte des 13. Jh. zurück. Archäologische Funde von drei erhaltenen Säulenbasen, entdeckt 1999 nach der Entfernung des Fußbodens im Dachbereich der Kapelle, belegen die Existenz eines ehemaligen Obergeschosses. Ging man bisher davon aus, dass vor Ort eine Burg zur Absicherung des Territoriums errichtet wurde, so spricht man heute von einer Herrschaftsburg. Untermauert wird diese Annahme durch die Existenz eines Tympanons (Türbogenfeld), den Kampf des Löwen mit dem Drachen darstellend. Dabei handelt es sich um eine bedeutende Bauplastik aus rotem Rochlitzer Phorphyrtuff (heute Schlossbergmuseum Chemnitz).

 Schlosskapelle Lichtenwalde - Tympanon    

Weitere Befunde aus spätromanischer/frühgotischer Zeit findet man heute noch im Kirchenschiff, z. T. mit den jüngsten Restaurierungsarbeiten in der Süd-Westecke neben der Tür sichtbar gemacht:

·      Eckpfeiler mit romanischer Konsole (einen zweiten Konsolstein anderer Form hinter der Kanzel),

·      fein bearbeitete, teilweise rot lasierte Werkstücke für Ecksteine u. als Fassung für Nischen u. Fenster,

·      das im oberen Teil noch romanische Fenster mit tiefer gelegter Fensterbank.

Baumaßnahmen aus der Zeit der Ritter von Harras schlagen sich heute noch in der Gestalt des spätgotischen Gewölbes aus dem 15. Jh. und in einer ersten Erweiterung der Kapelle in östlicher Richtung mit einer geraden Abschlussmauer nieder. Das Dach mit seinem Dachreiter kann einer Bauphase 1620/22 zugeordnet werden. Akten aus dieser Zeit verraten auch einiges über die geplante Nutzung. Der Schösser Reisiger von Lichtenwalde fragt am 30.10.1622 an, wie er bis zur Einweihung der Lichtenwalder Schlosskapelle Taufstein, Altar, Glocken, Bücher und andere Sachen beschaffen soll. Voraus gegangen war der Beschluss des Kurfürsten Johann Georg I. von 21.08.1622 eben da in 14-tägigem Gottesdienst abhalten zu lassen. Umbauten im Kapelleninneren konnten bei den Untersuchungen aus dieser Zeit aber nicht nachgewiesen werden.

Der polygonale Chor-Abschluss, Kanzel mit Aufgang und der Einbau der Emporen, wofür die Nordwand durchbrochen wurde, erfolgten in der 1. Hälfte des 18. Jh. mit dem Neubau des Barockschlosses. Die Orgel wurde laut Orgelbaukontrakt vom 17.11.1740 von Johann Christoph Gottlob Donati aus Glauchau im Auftrag der Gräfin von Watzdorf, geb. von Bock gefertigt und auf die dafür geschaffene Chor-Empore platziert.

      Orgeleinweihung in der Kapelle

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Die Patronatsloge an der Westwand mit Allianzwappen wird zwischen 1772 und 1775 eingeweiht worden sein, in diesem kurzen Zeitraum residierte die dargestellte Allianz Ludwig Siegfried Vitzthum von Eckstädt mit Erdmuthe von Ponikau und Pilgram. Vermutet werden kann, dass zuvor die westliche obere Empore mit illusionistischer Bemalung als erste Herrschaftsloge diente. Auf einem Foto aus der Neuen sächsischen Kirchengalerie sieht man um Orgel und Kanzel ebenfalls Wandmalereien in Form von Rahmen und Vorhängen. Da nur noch sehr wenig Farbreste nachgewiesen werden konnten, sind sie nicht mehr zu rekonstruieren. Um die Kapelle auch sonst optisch aufzuwerten, wurden Sockel, Fensterrahmen, Teil der Brüstung und Säulen mit einer Marmorimitation auf grauem Grund versehen sowie der Altar, die Baluster der Emporenbrüstung, viele Leisten und Profile mit einem glänzenden aber unedlen Schlagmetall „vergoldet“.

    

An der Chor-Nordseite steht ein evangelischer Beichtstuhl, mit Balustern und durchbrochenen Fenstern verziert. In der Herrschaft Lichtenwalde wurde die Reformation 1537 eingeführt. In Sachsen schrieb die Kirchenordnung von 1580 die private Beichte vor dem Gang zum Heiligen Abendmahl vor. Mit dem eingerichteten Beichtstübchen sollte die Beichte für alle sichtbar aber nicht hörbar sein. Diese Tradition wurde Ende 18. Jh./Anfang 19. Jh. (in Lichtenwalde 1801) zugunsten des heute noch üblichen allgemeinen Beichtgebets verdrängt.

        

Taufstein aus farbig gefasstem Sandstein mit hölzernem Lesepult in Rokokoform ist 1949 als Dauerleihgabe aus dem Schlossbergmuseum nach Lichtenwalde gekommen. Vorher fand nach Übergabe des Schlosses durch die sowjetische Militäradministration an deutsche Behörden eine notdürftige Renovierung der Schlosskapelle statt. Am 3. Oktober 1948 wurde sie wieder für gottesdienstliche Zwecke geweiht.

Das Gemälde mit der Darstellung des Heiligen Abendmahls (vermutlich Anfang 18. Jh.) hat die Nachkriegswirren überstanden (heute zu sehen unter der seitlichen Empore). Das ehemalige Altarbild mit einer Christusdarstellung wurde nach Zeugenaussagen zerstört. Für den leeren Rahmen stiftete 1949 Sibylla Gräfin Vitzthum ein neues Bild, geschaffen von Oskar Martin aus Amorbach. (Es ist heute unter der gräflichen Empore zu sehen.) Das aktuelle Gemälde am Altar, stammt aus einer Sammlung Brühl. Um es in den Rahmen einpassen zu können, wurde es mit Passepartout versehen. Die rechts und links vom barocken Altar befindlichen Figuren stellen Moses mit der Gesetzestafel und Johannes mit dem Lamm dar. Sie stehen auf mit Engelsköpfen versehenen Konsolen. Die Kanzel, wie sie sich heute präsentiert, hat ihr Aussehen 2007-2009 erhalten. Zuvor war ein Stoffüberwurf über dem unvollendeten rohholzenen Fragment. Die in Grisaille-Malerei geschaffenen Bilder, Jesus und  die vier Evangelisten nebst Symbol stammen von dem Maler Christoph Wetzel aus Ringehain. (Katharina Müller, 2011)

Schloss Lichtenwalde - Bilder an der Kanzel

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Impressum Zuletzt bearbeitet: 21.11.2017